
Individualtraining im Fußball – Wie du jeden Spieler besser machst!
„Uns fehlen Dribbler, die den Unterschied machen können“, „wir haben nicht individuellen Qualitäten Spiele zu entscheiden“, nur ein paar der Aussprüche der letzten Jahre im deutschen Fußball. Speziell nach dem enttäuschenden Auftritt der letzten Weltmeisterschaft ist der Ruf nach individueller Qualität a la Kylian Mbappe oder Eden Hazard laut.
Richtige Analyse – falsche Schlüsse
Und man hat reagiert. Man liest immer mehr von individuellem Training, den ‚Stürmer‘ – Trainern und auch das Dribbling hält wieder Einzug mit Hilfe von endlosen Kappen und Stangenparcours. Das am häufigsten benutzte Stichwort hierbei ist die ‚Wiederholungszahl‘ – „Spieler müssen einfach mehr am Ball sein“ – und das sollten sie auch!
Über die Art und Weise lässt sich jedoch kräftig diskutieren. Warum sollte ein Spieler individuell Abläufe trainieren, sie aber im Spiel in einem anderen Kontext abrufen können? Beginnt nicht jedes Dribbling, jedes Aufdrehen, jeder Sprint mit einer Entscheidung, die wiederum aufgrund einer Aktion im Spiel getroffen wird?
„Wir müssen bei den Spielern wieder mehr Entscheidungsfreude fördern. Wir brauchen Spieler, die sich mehr zu dribbeln trauen, die das Ein-gegen-Eins suchen“ – Norbert Elgert (Sport1 Beitrag)
Ein Blick in eine andere Sportart bringt Licht ins Dunkel. Jahrelang trainierten Freizeit- wie Profi-Baseballer an Wurfmaschinen. Der Ball fliegt und wird postwendend wieder in die andere Richtung gedroschen. Der Übertrag ins eigentliche Spiel, wo ein Pitcher anstatt einer Maschine den Ball wirft, hatte letztlich aber denkbar wenig mit der Schlagquote an der Ballmaschine zu tun.
Was war passiert? Die Herleitung (also die Entscheidung wie zu Schlagen ist) wurde von der reinen Ausführung getrennt. Die Folge war, dass die eigentliche Qualität in der neuen Umgebung mit neuen Auslösern nicht abrufbar war. Das jahrelange Training an der Ballmaschine war (so gut wie) umsonst.
Was brauchen wir also? Wir brauchen weniger Fußballtrainer, die als Ballmaschinen ihren Spielern Bälle zuspielen und sie durch zahlreiche Kappen oder Stangen ausspielen lassen. Wir brauchen Trainer, die in der Lage sind Spielformen zu kreieren, die dem taktischen Kontext genauso gerecht werden, wie dem Anspruch an eine hohe Wiederholungszahl, um echte Individualisierung zu gewährleisten.
Der Versuch es besser zu machen – Spielnahes Individualtraining
Eine Möglichkeit eine hohe Wiederholungszahl mit dem taktischen Kontext zu kombinieren ist das sogenannte ‚Spielnahe Individualtraining‘. Hierbei wird gezielt ein einziger Auslöser provoziert, auf den ein oder mehrere Spieler reagieren und handeln müssen.
Ein Beispiel: 2 + 1 gg. 1 + 1


Der Schwerpunkt dieser Spielform liegt auf dem verbessern des Nacharbeitens (Spielprinzip). Provoziert werden muss also ein rollender Ball. Dies geschieht durch die zwei roten Spieler recht, die sich direkt den Ball zuspielen müssen und versuchen ihren Stürmer in der anderen Hälfte in Szene zu setzen.
Der grüne Spieler in der zentrale darf dabei die Mittellinie erst verlassen, wenn er überspielt ist – das garantiert ein häufiges Überspielen (Wiederholungszahl). Rund um diesen Schwerpunkt können Variationen eingebaut werden, wie die Ziele für die Offensivmannschaft (Dibbellinie, Minitor). Auch die Zahl der Spieler, die nachgehen darf kann die Spielform leichter oder schwerer machen. Klarer Vorteil dieser Form: Jeder Spieler ist am Ball und verbessert sich in allen Elementen des Spiels, während ein Spieler die berühmte Wiederholungzahl erreichen kann!
Kommentar schreiben
Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.
2 Kommentare
Das klingt alles sehr plausibel und nachvollziehbar..jetzt muss man nur eine unbelastete Mannschaft finden
die offen für ein anderes Training ist. Gerade merk ich das am eigenen Leib wie alte Automatismen eingefordert werden,weil denen das Gefühl fehlt so richtig hart ran genommen zu werden.Das in den Spielformen selber der Fußball spezifische Konditions Effekt steckt wollen Die nicht (noch) realisieren.
Da fällt mir spontan das Zitat von Mourinho ein …
“Um Klavier spielen zu lernen, rennt der Klavierspieler nicht um das Klavier, er spielt das Klavier.”